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Insights · August 2026 · 7 Min. · Case Decoded

Die besten Hosts stehen schon im Laden.

Marken suchen Creator, buchen Gesichter und zahlen Reichweite. Dabei stehen die Menschen mit dem meisten Produktwissen längst auf der Gehaltsliste. Gap hat im Juli 2026 sein Affiliate-Programm für die eigene Belegschaft geöffnet, Starbucks vergütet postende Mitarbeiter, und in China ist das seit sechs Jahren Standard. Was daran belegt ist, was nur behauptet wird, und wie wir daraus ein Format für den deutschen Handel bauen.
5.000+Mitarbeiter live bei Intime
200Sendungen pro Tag
20 %Online-Anteil, vorher einstellig
30.000Beiträge im Gap-Programm

Quellen Intime über CNBC und Alizila, 2020. Gap Inc. und WWD, Juli 2026. Einordnung am Ende des Artikels.

Der Auslöser. Gap holt die eigene Belegschaft ins Affiliate-Programm.

Am 22. Juli 2026 hat Gap Inc. sein Creator-Affiliate-Programm für Mitarbeiter geöffnet, über Old Navy, Gap, Banana Republic und Athleta hinweg, für Zentrale, Filialen und Logistik. Damon Berger, SVP Marketing, begründet das in einem Satz. Die eigenen Leute kennen Marken, Produkte und Kunden besser als alle anderen.

Das externe Programm läuft seit Oktober 2025 und hat nach Unternehmensangaben rund 30.000 Beiträge und 154 Millionen erreichte Nutzer erzeugt. Die Mitarbeiter kommen jetzt oben drauf, mit denselben Provisionen wie externe Creator.

Fast zeitgleich pilotiert Starbucks im Sommer 2026 ein eigenes Creator-Netzwerk in TikToks Content Suite, aufbauend auf dem Programm Green Apron Creators von 2024. Vergütet wird über Umsatzbeteiligung an Werbeeinnahmen. Interessant ist die Begründung. Starbucks-Mitarbeiter posten dreimal häufiger als Mitarbeiter vergleichbar großer Ketten. Das Unternehmen kanalisiert also etwas, das ohnehin passiert.

Der eigentliche Beweis ist sechs Jahre alt.

Wer glaubt, das sei ein Experiment von 2026, hat China nicht angesehen. Die Kaufhauskette Intime, die zu Alibaba gehört, bildet ihre Verkäufer seit 2019 zum Senden aus. Als die Filialen 2020 schließen mussten, sendeten über 5.000 Mitarbeiter, im Schnitt rund 200 Sessions pro Tag.

Die Zahl, die hängen bleibt, stammt aus derselben Zeit. Nach Angaben des Unternehmens verkaufte ein durchschnittlicher Verkäufer in einer einzigen Live-Session so viel wie sonst in einer ganzen Woche auf der Fläche. Der Online-Anteil am Konzernumsatz stieg von einem einstelligen Wert auf 20 Prozent.

Online-Anteil am Umsatz bei Intime Vor dem Ausbau des Livestreamings durch Verkäufer gegen 2020 unter 10 % 2019 20 % 2020
Quelle CNBC vom 29. Mai 2020 sowie Alizila, Unternehmensangaben von Intime Retail.

Der Punkt ist nicht die Pandemie. Der Punkt ist, dass ein Kaufhaus seine Fläche in ein Sendenetz verwandelt hat und das danach nicht wieder abgeschafft wurde. Sales Associate Livestreaming ist in China seit Jahren Standard, nicht Notlösung.

Der Fall Marks & Spencer, und warum wir die Zahlen nur mit Etikett weitergeben.

In Europa wird derzeit ein Beispiel herumgereicht, das gut klingt. Marks & Spencer betreibt Live Shopping auf der eigenen Website. Das ist belegt, und die Pressemitteilung des Konzerns gibt deutlich mehr her als die Zusammenfassungen, die gerade kursieren.

M&S Live startete am 28. Januar 2022 auf M&S.com, damals mit 13,5 Millionen Besuchern pro Woche als Grundlage. Eine Sendung dauert bis zu 30 Minuten und steht danach als Aufzeichnung im Bereich „Inspire Me". Die erste Ausgabe kam aus Lingerie und Activewear. Softwarepartner ist LiSA. Stephen Langford, Director von M&S.com, begründet das Format in einem Satz. Live Shopping stelle die eigenen Experten nach vorn und gebe ihnen die Bühne, den Unterschied von M&S zu erklären.

Eine Zahl nennt das Unternehmen selbst, und sie ist die interessanteste im ganzen Fall. In der Testphase blieben Zuschauer über 75 Prozent der Sendezeit dabei. Für ein Verkaufsformat ist das ein hoher Wert, und er stammt aus erster Hand.

Zwei Korrekturen am Bild, das gerade herumgereicht wird.Erstens ist M&S Live nicht rein von Mitarbeitern getragen. Nach Darstellung des Unternehmens stehen eigene Experten gemeinsam mit externen Influencern vor der Kamera. Wer den Fall als reines Mitarbeiterformat verkauft, verkürzt ihn. Zweitens stammen die Kennzahlen, die dazu kursieren, also 100 Pfund Produktionskosten je Sendung, doppelter Bestellwert und dreimal häufigere Wiederbesuche, aus dem Blog von LiSA, dem Softwareanbieter von M&S. Eine Veröffentlichung durch M&S selbst haben wir nicht gefunden, und eine Branchenauswertung hält ausdrücklich fest, dass belastbare Verkaufszahlen bislang nicht veröffentlicht wurden.

Wir schreiben das so deutlich, weil genau an dieser Stelle die meisten Präsentationen zu Live Commerce unsauber werden. Eine Anbieterzahl ist kein Marktbeleg.

Die Mischung aus eigenem Experten und externem Gast ist übrigens kein Widerspruch zu unserer These, sondern ihre Bestätigung. Der Experte bringt das Produktwissen, der Gast bringt die Reichweite. Genau diese Arbeitsteilung zeigt die Tabelle weiter unten, und genau deshalb funktioniert ein Mitarbeiterformat nur zusammen mit einem Affiliate-Programm.

Der belastbare Teil des M&S-Falls ist ohnehin der strukturelle. Ein großer Händler lässt seit vier Jahren eigene Experten senden statt nur gebuchter Gesichter, und er hat das Format nicht wieder eingestellt.

Warum Mitarbeiter die besseren Hosts sind.

Drei Gründe, und keiner davon ist Sympathie.

Wer sendet, und was er mitbringt Eigene Einschätzung aus Casting und Produktion, drei Punkte sind das Maximum Externer Creator Mitarbeiter Kunden Produktwissen Eigene Reichweite Verfügbarkeit Glaubwürdigkeit Kosten je Sendung
Eigene Darstellung. Kosten je Sendung meint, wie günstig die Rolle zu besetzen ist, drei Punkte sind am günstigsten.

Die Schwäche der eigenen Leute ist ebenso klar. Sie bringen keine Reichweite mit. Deshalb funktioniert dieses Modell nur zusammen mit einem Affiliate-Programm und mit der Verwertung der Clips danach. Wie dieser Kreislauf arbeitet, steht in Die günstigste Provision ist die teuerste.

Das Format, das wir daraus bauen. Die Live-Ecke im Laden.

Alle genannten Beispiele senden aus dem Studio, aus dem Homeoffice oder aus der Zentrale. Der naheliegende Ort bleibt ungenutzt, obwohl dort Ware, Fachwissen und Publikum bereits zusammenstehen. Die Verkaufsfläche.

Verkäuferin sendet aus einer offenen Live-Ecke am Rand der Verkaufsfläche, davor Ringlicht und Smartphone auf einem Stativ

Die Live-Ecke sitzt offen am Rand der Fläche, nicht im Lager und nicht in einer Kabine. Wer sonst berät, moderiert hier.

Die Live-Ecke im Laden Zwei bis vier Quadratmeter am Rand der Fläche, sendefähig in einem Tag Verkaufsfläche Ware Ware Ware Live-Ecke 2 bis 4 m² Die Sendung TikTok Shop Danach Clips & Affiliates
Eigene Darstellung des 321.live Formats.

Der Aufbau ist bewusst klein. Vertikales Kamera-Rig, Dauerlicht, Ansteckmikrofon, ein Tablet für die Regie. Sichtbar für die Kunden im Laden, weil das Publikum im Raum zur Sendung gehört. Zwei bis drei feste Sendeplätze pro Woche, immer zur selben Zeit.

Neu daran ist die zweite Rolle. Neben den Mitarbeitern senden ausgewählte Kunden, und zwar gegen Coupons, die sofort an der Kasse eingelöst werden. Das ist kein Bargeld und kein Auftragsverhältnis. Es bringt die Person zurück in den Laden, es ist einfach abzurechnen, und es macht aus zufriedenen Käufern die naheliegendsten nächsten Affiliates.

Kundin präsentiert lachend eine Jacke vor dem Ringlicht, daneben eine Verkäuferin mit Tablet, die die Kommentare liest

Der zweite Sendeplatz gehört den Kunden. Vergütet wird mit einem Coupon, der direkt an der Kasse eingelöst wird.

Für diesen Kunden-Teil haben wir bewusst keinen fremden Fall gefunden, den wir hier zitieren könnten. Der Mitarbeiter-Teil ist international bewiesen. Der Kunden-Teil ist der Teil, den wir zuerst bauen wollen.

TikTok-LIVE-Sendung aus dem Laden mit gepinnter Hemdjacke, Kaufen-Button und Fragen aus dem Chat

Dieselbe Sendung im Feed. Die Ware hängt im Regal hinter dem Host, gekauft wird ohne App-Wechsel.
Beispielhafte Darstellung. Konto, Zahlen und Produkt sind eine Demo.

Was in Deutschland vorher zu klären ist.

Das ist der Abschnitt, den Anbieter gern weglassen. Er entscheidet aber darüber, ob so ein Programm nach sechs Monaten noch läuft.

  1. Freiwilligkeit. Niemand wird vor die Kamera verpflichtet, und eine Absage darf keine Folgen haben. Weder ausgesprochen noch stillschweigend.
  2. Bildrechte. Schriftliche Einwilligung je Person, jederzeit widerrufbar, mit klarer Regelung für Aufzeichnungen und Clips nach dem Ausscheiden. Hier fliegen solche Programme später auf, nicht am Anfang.
  3. Arbeitszeit und Vergütung. Sendezeit ist Arbeitszeit. Affiliate-Anteile an Mitarbeiter sind sehr wahrscheinlich Arbeitslohn, mit Steuer und Sozialabgaben. Das gehört vor den Start in die Lohnbuchhaltung.
  4. Mitbestimmung. Wo es einen Betriebsrat gibt, ist er früh einzubinden. Umsatz und Reichweite je Person sind Leistungsdaten.
  5. Kennzeichnung. Kunden, die für eine Gegenleistung senden, machen Werbung. Das gehört sichtbar in die Sendung.
  6. Aufnahmen im Laden. Hinweis am Eingang, enger Bildausschnitt, im Zweifel keine unbeteiligten Personen im Bild.

Nichts davon ist ein Ausschlusskriterium. Alles davon ist teurer, wenn man es nachträglich klärt.

Was das für den deutschen Handel heißt.

  1. Die Hosts sind schon eingestellt. Der teuerste Posten einer Live-Strategie, das Gesicht vor der Kamera, ist im Filialgeschäft bereits bezahlt.
  2. Eine Filiale reicht als Pilot. Nicht das Netz. Ein Standort, zwei Sendeplätze, acht Wochen.
  3. Beteiligung schlägt Prämie. Eine einmalige Zulage wirkt vier Wochen. Ein Anteil am Ergebnis verändert, wie jemand die Sendung vorbereitet.
  4. Der ehrlichste Frühindikator ist nicht der Umsatz. Sondern wie viele Mitarbeiter nach vier Wochen freiwillig weitermachen wollen.
  5. Ohne Verwertung verpufft es. Jede Sendung liefert Clips für die Videofläche und Kandidaten fürs Affiliate-Programm. Wer das nicht einsammelt, hat nur einen teuren Nachmittag gehabt.

Genau dieses Paket bauen wir bei 321.live. Set-Aufbau auf eurer Fläche, Host-Training für euer Personal, Regie für die ersten Sendungen, Anbindung an den Shop und die Auswertung danach. Anschließend übernimmt euer Team, und wir bleiben so lange auf der Regie-Seite, wie es nötig ist. Für Mode und Sport ist die passende Kategorie-Seite Fashion, für Haushalt und Einrichtung Home.

FAQ

Dürfen Mitarbeiter für ihr Unternehmen live verkaufen?

Ja, wenn es freiwillig geschieht und sauber geregelt ist. Zu klären sind vorher vier Punkte. Die Einwilligung in Bild- und Tonaufnahmen samt Widerrufsrecht, die Behandlung der Sendezeit als Arbeitszeit, die steuer- und beitragsrechtliche Einordnung von Provisionen als Arbeitslohn und die Einbindung des Betriebsrats, weil Umsatz und Reichweite je Person Leistungsdaten sind.

Was verdienen Mitarbeiter beim Live-Verkauf?

Gap zahlt seiner Belegschaft dieselben Affiliate-Provisionen wie externen Creatorn. Starbucks vergütet über eine Beteiligung an Werbeeinnahmen. In Deutschland gilt für solche Zahlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass sie Arbeitslohn sind und damit steuer- und sozialversicherungspflichtig. Das ist vor dem Start mit der Lohnbuchhaltung zu klären.

Stimmen die Zahlen zu Marks & Spencer und Live Shopping?

Teilweise. Belegt ist das Format. M&S Live startete am 28. Januar 2022 auf M&S.com, eine Sendung dauert bis zu 30 Minuten, und nach Unternehmensangaben blieben Zuschauer in der Testphase über 75 Prozent der Sendezeit dabei. Vor der Kamera stehen eigene Experten gemeinsam mit externen Influencern, es ist also kein reines Mitarbeiterformat. Die kursierenden Kennzahlen von 100 Pfund Produktionskosten je Sendung, doppeltem Bestellwert und dreimal häufigeren Wiederbesuchen stammen dagegen vom Softwareanbieter LiSA. Eine Veröffentlichung durch M&S liegt uns nicht vor.

Was ist eine Live-Ecke im Laden?

Ein fester, sendefähiger Platz von zwei bis vier Quadratmetern am Rand der Verkaufsfläche. Vertikales Kamera-Rig, Dauerlicht, Mikrofon und ein Tablet für die Regie. Aus dieser Ecke senden Mitarbeiter und ausgewählte Kunden zu festen Zeiten, meist zwei bis drei Sendungen pro Woche. Mitarbeiter werden über Affiliate-Anteile vergütet, Kunden über Coupons, die direkt an der Kasse eingelöst werden.

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Sendungsaufbau, Host-Training und die Regeln für Deutschland stehen in unserem Playbook. 29 Seiten, kostenlos.

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Ihr habt Filialen und Personal, das ohnehin berät? Dann ist die Live-Ecke der kürzeste Weg zum eigenen Kanal.

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Quellen. Gap Inc. öffnet sein Creator-Affiliate-Programm für Mitarbeiter, Meldung und Unternehmensangaben vom 22. Juli 2026, berichtet unter anderem von WWD. Starbucks pilotiert ein Custom Creator Network in TikToks Content Suite, Marketing Dive, Sommer 2026. Intime Retail und das Livestreaming der Verkäufer nach CNBC vom 29. Mai 2020, ergänzt um Angaben von Alizila und eine Einordnung von Forbes aus 2021. Marks & Spencer Live Shopping nach der Pressemitteilung des Unternehmens vom 28. Januar 2022, daraus Startdatum, Sendelänge, Besucherbasis, Verweildauer und das Zitat von Stephen Langford. Einordnung zu den Hosts und zu den fehlenden Verkaufszahlen nach eTail. Die genannten Leistungskennzahlen ausschließlich nach dem Blog des Softwareanbieters LiSA und ohne unabhängige Bestätigung. Stand August 2026. Die rechtlichen Hinweise sind eine Einordnung aus der Praxis und ersetzen keine Rechtsberatung.