Quellen Intime über CNBC und Alizila, 2020. Gap Inc. und WWD, Juli 2026. Einordnung am Ende des Artikels.
Am 22. Juli 2026 hat Gap Inc. sein Creator-Affiliate-Programm für Mitarbeiter geöffnet, über Old Navy, Gap, Banana Republic und Athleta hinweg, für Zentrale, Filialen und Logistik. Damon Berger, SVP Marketing, begründet das in einem Satz. Die eigenen Leute kennen Marken, Produkte und Kunden besser als alle anderen.
Das externe Programm läuft seit Oktober 2025 und hat nach Unternehmensangaben rund 30.000 Beiträge und 154 Millionen erreichte Nutzer erzeugt. Die Mitarbeiter kommen jetzt oben drauf, mit denselben Provisionen wie externe Creator.
Fast zeitgleich pilotiert Starbucks im Sommer 2026 ein eigenes Creator-Netzwerk in TikToks Content Suite, aufbauend auf dem Programm Green Apron Creators von 2024. Vergütet wird über Umsatzbeteiligung an Werbeeinnahmen. Interessant ist die Begründung. Starbucks-Mitarbeiter posten dreimal häufiger als Mitarbeiter vergleichbar großer Ketten. Das Unternehmen kanalisiert also etwas, das ohnehin passiert.
Wer glaubt, das sei ein Experiment von 2026, hat China nicht angesehen. Die Kaufhauskette Intime, die zu Alibaba gehört, bildet ihre Verkäufer seit 2019 zum Senden aus. Als die Filialen 2020 schließen mussten, sendeten über 5.000 Mitarbeiter, im Schnitt rund 200 Sessions pro Tag.
Die Zahl, die hängen bleibt, stammt aus derselben Zeit. Nach Angaben des Unternehmens verkaufte ein durchschnittlicher Verkäufer in einer einzigen Live-Session so viel wie sonst in einer ganzen Woche auf der Fläche. Der Online-Anteil am Konzernumsatz stieg von einem einstelligen Wert auf 20 Prozent.
Der Punkt ist nicht die Pandemie. Der Punkt ist, dass ein Kaufhaus seine Fläche in ein Sendenetz verwandelt hat und das danach nicht wieder abgeschafft wurde. Sales Associate Livestreaming ist in China seit Jahren Standard, nicht Notlösung.
In Europa wird derzeit ein Beispiel herumgereicht, das gut klingt. Marks & Spencer betreibt Live Shopping auf der eigenen Website. Das ist belegt, und die Pressemitteilung des Konzerns gibt deutlich mehr her als die Zusammenfassungen, die gerade kursieren.
M&S Live startete am 28. Januar 2022 auf M&S.com, damals mit 13,5 Millionen Besuchern pro Woche als Grundlage. Eine Sendung dauert bis zu 30 Minuten und steht danach als Aufzeichnung im Bereich „Inspire Me". Die erste Ausgabe kam aus Lingerie und Activewear. Softwarepartner ist LiSA. Stephen Langford, Director von M&S.com, begründet das Format in einem Satz. Live Shopping stelle die eigenen Experten nach vorn und gebe ihnen die Bühne, den Unterschied von M&S zu erklären.
Eine Zahl nennt das Unternehmen selbst, und sie ist die interessanteste im ganzen Fall. In der Testphase blieben Zuschauer über 75 Prozent der Sendezeit dabei. Für ein Verkaufsformat ist das ein hoher Wert, und er stammt aus erster Hand.
Wir schreiben das so deutlich, weil genau an dieser Stelle die meisten Präsentationen zu Live Commerce unsauber werden. Eine Anbieterzahl ist kein Marktbeleg.
Die Mischung aus eigenem Experten und externem Gast ist übrigens kein Widerspruch zu unserer These, sondern ihre Bestätigung. Der Experte bringt das Produktwissen, der Gast bringt die Reichweite. Genau diese Arbeitsteilung zeigt die Tabelle weiter unten, und genau deshalb funktioniert ein Mitarbeiterformat nur zusammen mit einem Affiliate-Programm.
Der belastbare Teil des M&S-Falls ist ohnehin der strukturelle. Ein großer Händler lässt seit vier Jahren eigene Experten senden statt nur gebuchter Gesichter, und er hat das Format nicht wieder eingestellt.
Drei Gründe, und keiner davon ist Sympathie.
Die Schwäche der eigenen Leute ist ebenso klar. Sie bringen keine Reichweite mit. Deshalb funktioniert dieses Modell nur zusammen mit einem Affiliate-Programm und mit der Verwertung der Clips danach. Wie dieser Kreislauf arbeitet, steht in Die günstigste Provision ist die teuerste.
Alle genannten Beispiele senden aus dem Studio, aus dem Homeoffice oder aus der Zentrale. Der naheliegende Ort bleibt ungenutzt, obwohl dort Ware, Fachwissen und Publikum bereits zusammenstehen. Die Verkaufsfläche.
Die Live-Ecke sitzt offen am Rand der Fläche, nicht im Lager und nicht in einer Kabine. Wer sonst berät, moderiert hier.
Der Aufbau ist bewusst klein. Vertikales Kamera-Rig, Dauerlicht, Ansteckmikrofon, ein Tablet für die Regie. Sichtbar für die Kunden im Laden, weil das Publikum im Raum zur Sendung gehört. Zwei bis drei feste Sendeplätze pro Woche, immer zur selben Zeit.
Neu daran ist die zweite Rolle. Neben den Mitarbeitern senden ausgewählte Kunden, und zwar gegen Coupons, die sofort an der Kasse eingelöst werden. Das ist kein Bargeld und kein Auftragsverhältnis. Es bringt die Person zurück in den Laden, es ist einfach abzurechnen, und es macht aus zufriedenen Käufern die naheliegendsten nächsten Affiliates.
Der zweite Sendeplatz gehört den Kunden. Vergütet wird mit einem Coupon, der direkt an der Kasse eingelöst wird.
Für diesen Kunden-Teil haben wir bewusst keinen fremden Fall gefunden, den wir hier zitieren könnten. Der Mitarbeiter-Teil ist international bewiesen. Der Kunden-Teil ist der Teil, den wir zuerst bauen wollen.
Dieselbe Sendung im Feed. Die Ware hängt im Regal hinter dem Host, gekauft wird ohne App-Wechsel.
Beispielhafte Darstellung. Konto, Zahlen und Produkt sind eine Demo.
Das ist der Abschnitt, den Anbieter gern weglassen. Er entscheidet aber darüber, ob so ein Programm nach sechs Monaten noch läuft.
Nichts davon ist ein Ausschlusskriterium. Alles davon ist teurer, wenn man es nachträglich klärt.
Genau dieses Paket bauen wir bei 321.live. Set-Aufbau auf eurer Fläche, Host-Training für euer Personal, Regie für die ersten Sendungen, Anbindung an den Shop und die Auswertung danach. Anschließend übernimmt euer Team, und wir bleiben so lange auf der Regie-Seite, wie es nötig ist. Für Mode und Sport ist die passende Kategorie-Seite Fashion, für Haushalt und Einrichtung Home.
Ja, wenn es freiwillig geschieht und sauber geregelt ist. Zu klären sind vorher vier Punkte. Die Einwilligung in Bild- und Tonaufnahmen samt Widerrufsrecht, die Behandlung der Sendezeit als Arbeitszeit, die steuer- und beitragsrechtliche Einordnung von Provisionen als Arbeitslohn und die Einbindung des Betriebsrats, weil Umsatz und Reichweite je Person Leistungsdaten sind.
Gap zahlt seiner Belegschaft dieselben Affiliate-Provisionen wie externen Creatorn. Starbucks vergütet über eine Beteiligung an Werbeeinnahmen. In Deutschland gilt für solche Zahlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass sie Arbeitslohn sind und damit steuer- und sozialversicherungspflichtig. Das ist vor dem Start mit der Lohnbuchhaltung zu klären.
Teilweise. Belegt ist das Format. M&S Live startete am 28. Januar 2022 auf M&S.com, eine Sendung dauert bis zu 30 Minuten, und nach Unternehmensangaben blieben Zuschauer in der Testphase über 75 Prozent der Sendezeit dabei. Vor der Kamera stehen eigene Experten gemeinsam mit externen Influencern, es ist also kein reines Mitarbeiterformat. Die kursierenden Kennzahlen von 100 Pfund Produktionskosten je Sendung, doppeltem Bestellwert und dreimal häufigeren Wiederbesuchen stammen dagegen vom Softwareanbieter LiSA. Eine Veröffentlichung durch M&S liegt uns nicht vor.
Ein fester, sendefähiger Platz von zwei bis vier Quadratmetern am Rand der Verkaufsfläche. Vertikales Kamera-Rig, Dauerlicht, Mikrofon und ein Tablet für die Regie. Aus dieser Ecke senden Mitarbeiter und ausgewählte Kunden zu festen Zeiten, meist zwei bis drei Sendungen pro Woche. Mitarbeiter werden über Affiliate-Anteile vergütet, Kunden über Coupons, die direkt an der Kasse eingelöst werden.
Sechs Mythen über TikTok Shop. Und was die Zahlen sagen
Die günstigste Provision ist die teuerste. Live und Affiliates
I Scream for CREAMi. Wie Ninja ein Sendeschema baut
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Sendungsaufbau, Host-Training und die Regeln für Deutschland stehen in unserem Playbook. 29 Seiten, kostenlos.
Zum Playbook Direkt per WhatsAppIhr habt Filialen und Personal, das ohnehin berät? Dann ist die Live-Ecke der kürzeste Weg zum eigenen Kanal.
Schreib uns per WhatsAppQuellen. Gap Inc. öffnet sein Creator-Affiliate-Programm für Mitarbeiter, Meldung und Unternehmensangaben vom 22. Juli 2026, berichtet unter anderem von WWD. Starbucks pilotiert ein Custom Creator Network in TikToks Content Suite, Marketing Dive, Sommer 2026. Intime Retail und das Livestreaming der Verkäufer nach CNBC vom 29. Mai 2020, ergänzt um Angaben von Alizila und eine Einordnung von Forbes aus 2021. Marks & Spencer Live Shopping nach der Pressemitteilung des Unternehmens vom 28. Januar 2022, daraus Startdatum, Sendelänge, Besucherbasis, Verweildauer und das Zitat von Stephen Langford. Einordnung zu den Hosts und zu den fehlenden Verkaufszahlen nach eTail. Die genannten Leistungskennzahlen ausschließlich nach dem Blog des Softwareanbieters LiSA und ohne unabhängige Bestätigung. Stand August 2026. Die rechtlichen Hinweise sind eine Einordnung aus der Praxis und ersetzen keine Rechtsberatung.